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Gedanken zum Monatsspruch - Christian Manntz

Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“   (1. Könige 19,7)

 

Elia ist müde, ja zu Tode erschöpft. Er hat alles gegeben für seinen Gott. *Dann musste er fliehen. In die Wüste hinein. Nun kann er nicht mehr. Bis der Engel des Herrn kommt und ihn stärkt. „Steh auf und iss!“

Wir sind unsicher. Wie wird das alles weiter gehen? Mit Corona, dem Klima, den Flüchtlingen. Am liebsten wollen wir in unser altes Leben zurück. Wir: Die Älteren. Und doch ist uns klar, dass das nicht mehr geht. Jedenfalls nicht, wenn wir für die kommenden Generationen die Zukunft offenhalten wollen. Wir müssen etwas ändern. Wir! Nicht die da oben. Nicht die andern.

 Nicht irgendjemand. Wir! Reicht unsere Kraft? Haben wir genug Ideen, ausreichend Phantasie? Wie steht es um unseren Mut? „Steht auf und esst, ihr habt einen weiten Weg vor euch.“

 Ihr steht das Wasser bis zum Hals. So sagt man wohl. Sie ist allein, mit ihren zwei Kindern. Die Firma hat sie in Kurzarbeit geschickt. Die Kita nimmt ihre Kleine nur für wenige Stunden und der Große lässt sich kaum mehr motivieren, im Internet seine Aufgaben zu machen. Mit dem Vater gibt es nur noch Stress und für sie selbst bleibt keine Zeit. Wie lange soll sie das noch durchhalten?

„Steh auf, iss was und nimm den Kopf hoch. Du bist nicht allein.“

Er sitzt den ganzen Tag in seinem Sessel und wartet, dass die Zeit vergeht. Alles, was er tut, dauert unendlich lange. Jeder Schritt, jede Handbewegung eine Anstrengung für sich. Die Gedanken sind zäh und lösen sich kaum aus der Vergangenheit. Und die Welt da draußen ist fremd und macht ihn unsicher. Was hat er noch? Wozu das alles?

„Iss dein Brot und hab Geduld. Du wartest nicht umsonst.“

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber so ein Engel wäre schon nicht schlecht. Der könnte öfter mal vorbei schauen, mit einer guten Mahlzeit und ein paar aufmunternden Worten. Er könnte uns eine Hand auf die Schulter legen oder uns in den Arm nehmen. Bei Engeln dürften die Gesundheitsämter nichts dagegen haben… Gut,wir sind keine Propheten. Wir machen unsere Kompromisse, fragen nicht all zu oft, ob das, was wir tun, in Gottes Plan passt. Jedenfalls tun wir das selten, solange wir einen eigenen Plan haben. Vielleicht wäre es eine gute Idee, unsere Pläne öfter mal mit dem HERRN abzugleichen. Dann würde der Weg, den wir vor uns haben, womöglich deutlicher… und die Hoffnung stärker… und der Horizont heller…

Stimmt. Wir sind keine Propheten. Trotzdem hätte ich nichts gegen so einen Engel.

Wer weiß, vielleicht schaut er im Sommer mal vorbei. Solange können wir ja den alten Herrn mal besuchen. Vielleicht können wir auch der alleinerziehenden Mutter mal was abnehmen. Und was die Zukunft unserer Gesellschaft betrifft, da sollten wir im Gespräch bleiben. Das verspricht spannend zu werden!

Ach ja, Elias Engel wird nicht näher beschrieben. Aber ich habe mir sagen lassen, dass Engel nicht unbedingt Männer mit Flügeln sein müssen. Manchmal sehen sie auch aus wie du… Entschuldigung: Wie Sie und ich.

Kommen Sie gut durch den Sommer.

 

* (Was Elia genau getan hat, will ich hier nicht verraten. Wir würden ihn dafür heute wohl zu den Fanatikern zählen. Im ersten Buch der Könige, im 18. Kapitel wird die blutige Geschichte erzählt.)

 

 

 

 

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Letzte Änderung am: 30.06.2020