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Gedanken zum Monatsspruch - Celine van der Hoofd

Vor Kurzem stand ich an der Kasse bei Edeka. Nein, nicht der Edeka in Großbeeren. Sie brauchen also nicht suchen, ob Sie den betreffenden Mitarbeiter kennen. Jedenfalls …ich hatte meine Einkäufe auf das Band gelegt und schaute in das Regal darüber. Zigarettenpackungen und alles, was dazugehört. Nur eines gehörte dort nicht hin: Eine Erdbeere. Ich hob sie hoch in der Erwartung, dass ich jetzt eine halbverfaulte Erdbeere sehen würde, doch nein, es war eine noch nicht ganz reife Erdbeere, deren „Figur“ nicht der Norm entsprach. Kurz gesagt: Sie sah nicht sehr schön aus. Ich reichte sie dem Mitarbeiter an der Kasse, grinste und sagte: „Da liegt was rum.“ Er grinste zurück, nahm die Erdbeere und meinte: „Ach, da ist sie“. Natürlich verstand ich nicht ganz, was er meinte, aber wir kamen ins Gespräch. Kunden hatten in einem Körbchen eine Erdbeere gefunden, die „nicht mehr gut“ war und dies bei ihm reklamiert.

Als diese Kunden dann bei der Kasse waren, war aber weder eine ungenießbare Erdbeere zu sehen, noch erwähnten diese Kunden noch einmal den Vorfall. Sie haben sie rausgenommen und einfach dahin gelegt. Wir schüttelten beide den Kopf. Wieso muss man diese Erdbeere in ein Regal mit anderen Waren legen? Die Menschen werden immer unfreundlicher, stellten wir fest. Auf meine Frage, ob das sich im Moment häuft, meinte er, dass das schon immer so war, nur jetzt wo der Bewegungsspielraum durch die Coronaregeln etwas begrenzt ist, würde das einfach mehr zutage treten.

Natürlich lässt mich dann das Erlebte nicht los. Mir fiel auf, dass ich in den letzten Tagen, ja man könnte schon fast sagen Wochen, immer öfter festgestellt habe, dass die Menschen sehr schnell unfreundlich und manchmal sogar aggressiv reagieren. Gleichzeitig wird mir aber auch bewusst, je länger dieser Zustand dauert, desto schwieriger ist es, ihn zu beenden. Es ist ja nicht nur so, dass die Menschen unfreundlich werden und aggressiv. Nein, jede Unfreundlichkeit hinterlässt ihre Verletzungen, jede Form der Aggressivität hinterlässt eine mehr oder weniger große Spur der Verwüstung. Vieles wird damit begründet, dass man das Recht dazu hat, dass die persönliche Freiheit geschützt werden muss und Ähnliches. Gerade die persönliche Freiheit wird fast immer als Rechtfertigung für so ein Handeln genutzt. Und genau das macht mich so betroffen. Da kommt dann noch dazu, dass es ja nicht nur im Kleinen so ist, also nicht nur im näheren Umfeld, nein auch auf den großen politischen Bühnen ist es der ein oder andere Politiker, der es vormacht. Alles was dem „Schutz der persönlichen Freiheit dient“ ist erlaubt. Dass dabei 100.000 an COVID-19 sterben, und das ist in mehr als nur einem Land der Fall, oder Menschen mit einer anderen Meinung verfolgt, misshandelt und verhaftet werden, auch das sehen wir zur Zeit in mehreren Ländern, ist dabei nicht wichtig. Kollateralschaden. Und je länger dieser Zustand dauert, desto mehr schwindet die Hoffnung, dass es einmal Frieden wird, dass sich diese Situation ändert. Und dann, an diesem Punkt, wo man den Eindruck bekommt, die Situation spitzt sich zu, dann bekommen wir diesen Monatsspruch aus dem 2. Korinther 5,19 für den September geschenkt:

 Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.

 oder wie es in der Lutherbibel steht:

 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

Wir dürfen der Realität ins Auge schauen. Wir werden es nicht schaffen, dass es Versöhnung und Frieden gibt auf dieser Welt in dieser Zeit, aber Gott kann es und er wird es tun. Dafür ist Jesus Christus Mensch geworden, hat als Mensch genau die gleichen Erfahrungen gemacht wie wir sie täglich machen und hat uns gleichzeitig als Sohn Gottesgezeigt, dass es mit und durch Gott einen Weg der Versöhnung gibt.

Ich bin immer noch davon überzeugt, dass dieser Tag kommen wird, dieser Tag der Versöhnung, ganz einfach, weil Gott seine Schöpfung nicht im Stich lassen wird. Wie das schlussendlich aussieht, das weiß ich nicht. Das ist auch nicht mehr so wichtig. Aber wichtig ist diese Gewissheit, dass dieser Tag kommt, dieses Vertrauen in unsern Gott und Vater.

Kann uns nun alles gleichgültig sein, was passiert? Eine Art der abwartenden Passivität, weil ja Gott die Welt versöhnt und wir selbst das ja nicht mehr schaffen können? Nein, das kann und darf es nicht. Darauf weist uns der Monatsspruch von Oktober aus Jeremia 29, 7 hin:

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.

Wir sind aufgerufen, trotzdem weiter für das Gute einzustehen, Zeichen zu setzten gegen diese Entwicklung, und wir sind aufgerufen zu beten, für uns, für unsere Gemeinde, für unser Land, für diese Erde. Denn auch wenn es im Großen gesehen um die Rettung der Schöpfung geht, im Neuen Testament zeigt uns Jesus Christus immer wieder, dass es auch um den einzelnen Menschen ganz persönlich geht, und da sind wir gefragt und aufgefordert. Aufgefordert Zeichen zu setzten, aufgefordert zu zeigen, dass es eben auch anders geht und so einen Funken von Gottes Möglichkeiten sehen zu lassen, einen Funken Hoffnung zu streuen in einer Welt, die scheinbar gerade am Abgrund steht.

Ich wünsche Ihnen für die kommenden Monate die Kraft zum Zeichen- setzen, ich wünsche Ihnen aber auch die Freude, die uns die Hoffnung auf Gottes Handeln schenkt und ich wünsche Ihnen Momente in denen Sie genießen können, dass es in der Welt, in unserem Umfeld auch anders zugehen kann.

Bleiben Sie behütet.

RSSPrint

Letzte Änderung am: 29.08.2020