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RSSPrint

Gedanken zur Jahreslosung – Christian Manntz

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24)

 

Er hat es geschrien. Der Vater hat es geschrien: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“. So steht es bei Markus geschrieben.

Der Vater hatte Angst um seinen kranken Sohn. Darum hat er geschrien.

Wir schreien nur selten. Gut so. Warum sollten wir auch?

Obwohl… Kann schreien nicht auch ein Zeichen für Leidenschaft sein, für Begeisterung? Dafür, dass man ganz und gar bei der Sache ist?

Ich meine nicht im Streit. Ich spreche nicht vom Anschreien…

 

…Sie haben Recht. Hier geht es um die Jahreslosung.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Es geht um diese merkwürdige Bitte, um dieses Ringen in mir drin, zwischen Glaube und Zweifel. Ich will Gott ja vertrauen, aber ich traue mich nicht. Weil ich dann ja alles aus der Hand gebe. Weil ich ihm dann ganz ausgeliefert bin, mich ihm ganz ausgeliefert habe: Was auch geschieht, Gott, ich nehme es aus deiner Hand…

So weit aber ist die Jahreslosung nicht. Sie zögert noch.

Und ich? Ich tue es ihr gleich.

Weil es doch all die Vorbehalte gibt. So viel „Wenn“ und „Aber“. So Vieles, was nicht gut ist. Zu viel unnötiges Leid und sinnloser Schmerz.

Deshalb traue ich mich nicht.

Und darum hoffe ich, hoffe ich auf Gott. Das der mir hilft, hilft zu glauben. Hilft, diesen einen Schritt zu gehen – in die Ungewissheit hinein.

 

Der Vater hat es geschafft. Und sein Sohn wurde gerettet.

Es war ihm unendlich wichtig. Er war ganz bei der Sache.

Darum hat er ja auch geschrien.

Er hat es geschafft. Andere nicht.

Und da sind sie wieder, die leidvollen Widersprüche.

 

Vielleicht müssen wir ja tatsächlich nicht schreien. Aber wichtig muss es uns schon sein, das mit dem Glauben. Das geht nicht nebenbei. Jedenfalls nicht gut. Vertrauen bedeutet eben, dass ich mich ganz auf den anderen verlasse, mich in seine Hände gebe. Und dass ich die Widersprüche aushalte. Auch die, die das Leben mit sich bringt. Und das hält eine Menge Widersprüche für uns bereit. Das wissen wir. Das haben wir schon erlebt, schon erlitten. Und das wird 2020 nicht anders sein.

Trotzdem oder gerade deswegen habe ich für das kommende Jahr einen ganz großen Wunsch: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Keine Angst. Ich schreie nicht.

Jedenfalls nur selten.

 

Letzte Änderung am: 04.01.2020