Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Gedanken zur Monatslosung - Celine van der Hoofd

Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ (Lk 19, 40)

Wenn man diesen Vers so liest, dann könnte man meinen, es geht hier um die soziale Ungerechtigkeit. Doch überraschenderweise geht es dieses Mal nicht um dieses große Thema. Es geht darum, dass die Jünger zu laut sind mit ihrem Lobgesang, und das ist den Pharisäern offensichtlich peinlich.

Es ist die Szene von Palmsonntag. Als Jesus auf dem Eselfüllen in Jerusalem einreitet. Als die Jünger ihre Mäntel vor ihm auf den Weg legen, quasi den roten Teppich für ihn ausrollen. Als sie mit Palmblättern wedeln, wenn er vorbeireitet. Ja, als sie laut jubeln "Hosianna" und Jesus als den versprochenen König begrüßen. Das ist den Pharisäern dann doch zu viel. Sie wollen, dass die Jünger schweigen. Bloß kein Aufsehen, stell dir vor, das macht die Runde, dass der König gekommen ist, der langverheißene Messias. Fake News würden die Pharisäer diese Botschaft wohl heutzutage nennen. Doch Jesus ist anderer Meinung. Im Gegenteil, man kann Menschen zum Schweigen bringen, aber man kann nicht verhindern, dass die Wahrheit die Runde macht. Dabei spricht Jesus eigentlich nicht von der Botschaft des Königs, der den Thron besteigt, sondern von der Botschaft des Gottessohnes, der die Menschen mit Gott und sich versöhnen will. Doch das begreifen die Pharisäer nicht, so wie es auch heute noch viele Menschen nicht begreifen.

Welche Botschaft haben wir als Kirche, wir als Christen, eigentlich? Und lassen wir uns zum Schweigen bringen, gerade auch, weil wir auf keinen Fall intolerant sein wollen? Wieviele Kompromisse hält unser Glaube aus? Muss ich zu allem Ja sagen, damit Friede und Ruhe herrscht?

Um die Botschaft zu zeigen, öffentlich zu machen, auf welche Art und Weise auch immer, müssen wir diese selbst immer wieder hören, lesen und aufnehmen. Das ist in diesen Zeiten der sozialen Isolation schwierig, aber nicht unmöglich. So bietet unsere Kirchengemeinde zum Beispiel regelmäßig einen kurzen Gedankenanstoß zum Wochenspruch.

Toleranz hat auch gar nichts damit zu tun, dass ich schweige und den Konflikten aus dem Weg gehe. Viel wichtiger ist doch, dass ich das gleiche Recht habe wie mein Gegenüber. Wenn jemand mir seine Meinung und Überzeugung zu einem Thema sagt, warum soll ich das dann nicht auch dürfen? Im Gegenteil, wie soll ein konstruktiver Austausch entstehen, wenn ich schweige? Gespräche, und sind sie nur am Telefon, sind soziale Kontakte, sind eine Form der Gemeinschaft mit meinem Gegenüber.

Durch Ja-Sager entsteht Unterdrückung, aber ganz sicher nicht Friede und Ruhe. Dafür gibt es genug Beispiele auf der ganzen Welt. Opposition ist eine Herausforderung. Es ist eine Aufforderung an mich und an mein Gegenüber, unser Denken und unsere Haltung zu hinterfragen.

So gesehen war Jesus immer in der Opposition. Seine Gespräche, seine Fragen und Antworten waren immer eine Herausforderung an seine Zuhörerschaft, sich selbst und ihr Handeln zu hinterfragen. Er wusste, dort wo der Mensch ehrlich sich selbst gegenüber ist, dort wirkt seine Botschaft, dort findet Veränderung statt, dort findet der Mensch Ruhe und Frieden. Doch nicht nur das, diese Veränderung zieht auf eine Art und Weise Kreise, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Auch nicht in unserer Zeit.

Ich wünsche Ihnen, dass diese lebendige Botschaft unseres Gottes Ihnen Ruhe und Frieden gibt, dass sie eine Hoffnung für Sie ist, die Ihnen zum Kraftquell an jedem neuen Tag wird.

Bleiben Sie gesund.

 


Letzte Änderung am: 28.02.2021